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Chance für neue Wohnformen
- Auftaktveranstaltung des Projekts Dorfentwicklung
- Ja-Verein will die Lebensqualität vor Ort verbessern
Stühlingen – Der Ja-Verein attraktives Dorfleben Mauchen lud zur Auftaktveranstaltung ein für das Projekt „Dorfentwicklung – neue Wohnformen für Jung & Alt in alter Bausubstanz“ im Rathaus Mauchen. Ortsvorsteher Frank Hotz begrüßte die vielen Interessierten, er betonte, dass sich jeder daran beteiligen könne, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu verbessern und nannte den Ja-Verein als positives Beispiel.
Thekla Korhummel war Mitgründerin des Ja-Vereins 2012, Projektleiterin zum Aufbau der Nachbarschaftshilfe 2013 bis 2015 und ist nun Projektleiterin für neue Wohnformen mit Unterstützung von der Deutschen Fernsehlotterie, einer Soziallotterie, welche seit 1956 Einnahmen durch Losverkauf generiert. Bereits zwei Milliarden Euro flossen für soziale Projekte. Die Quartiersentwicklung ist ein eigener Förderbaustein der Deutschen Fernsehlotterie, für den der Ja-Verein aktuell eine Förderung erhält (wir berichteten).
Leerstand in Mauchen im Fokus
„Wir decken 30.000 Einwohner ab mit unserer Nachbarschaftshilfe“, erläuterte sie. Es werden weitere Helfer gesucht für die Nachbarschaftshilfe, da die Anmeldezahlen weiter steigen. „Mauchen hat den Trend zur Schlafgemeinde abgewendet, wir haben ein Netzwerk und einen Treffpunkt geschaffen im Dorf, wir haben Arbeitsplätze geschaffen und wollen auch mit der neuen Förderung etwas bewegen“, schloss Thekla Korhummel und erläuterte das Thema des Abends: Den Leerstand in Mauchen als Chance für neue Wohnformen zu nutzen mit einem Perspektivenwechsel, der Unterstützung durch Projektpartner und gemeinsam mit den Bürgern. Fünf große und sechs kleine Gebäude stehen derzeit leer in Mauchen.
Als positive Beispiele in der Region nannte sie das Generationenhaus Dreikönig mit Ja-Treff und das Soziale Zentrum in Ühlingen mit barrierefreien Wohnungen und Tagespflege. „Mein Wunsch für heute Abend ist, dass wir Menschen finden, die Lust haben, mit uns den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin ein Dorfkind und möchte es bleiben, lieber in eine altersgerechte Wohnung in Mauchen als ins Pflegeheim in einen anderen Ort ziehen müssen“, schloss Thekla Korhummel.
Die Geschäftsführerin der Freiburger Firma Sutter³ Cornelia Haas zeigte anhand der zahlreichen abgeschlossenen Projekte die Nachhaltigkeit durch Umnutzung, das Bauen in Bestand und Denkmal. Der Flächenverbrauch außerhalb der Ortskerne soll verringert werden durch die Nutzung des aktuell vorhandenen Flächenbestands, als Grund für ihre Arbeit nannte sie die Klimaerwärmung. In den 1950er-Jahren standen 20 Quadratmeter Wohnfläche pro Person zur Verfügung, inzwischen sind es 47, bei über 65-Jährigen sogar 83 Quadratmeter. Ihre Aufgabenstellung sei, wie ein Gebäude saniert werden soll, dass es wirtschaftlich tragfähig für mindestens 30 Jahre ist und den Bestand als Energieressource zu nutzen: „Mit dem Bestand planen, nicht gegen ihn.“ Als dritter Redner erläuterte Kai Müller vom Landratsamt Waldshut den Wohnungsbau mit Förderung durch das Strukturprogramm ELR, Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum. Förderfähig sind Gebäude, die vor den 1970er-Jahren gebaut wurden und im Ortsinnern liegen, eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Gemeinde als Antragsteller empfahl er.
So geht es weiter
Zum Abschluss gab Projektleiterin Thekla Korhummel einen Ausblick auf die weiteren Schritte. Es werde eine Umfrage zur Wohnsituation digital und in Papierform geben sowie zum Ideenworkshop eingeladen. In Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Spes finden separat für junge Erwachsene ebenfalls Infoabend und Workshop statt. Wohnprojekte werden zusammen mit interessierten Bürgern besichtigt, möglich sind auch Besichtigung von Bestandsimmobilien zur Prüfung auf deren Eignung sowie Gespräche mit Eigentümern, Kooperationspartnern, Experten und Behörden.